BZ: Ein Storchennest in Tiengen wird zum Politikum

  • UWerner
  • 10. Februar 2018

Von Eva Opitz

Sa, 10. Februar 2018

FREIBURG-TIENGEN. Für das Tiengener Nest wäre ein Platz auf dem Kirchendach besser als auf dem Turm. Der Umzug scheiterte bisher jedoch an Zuständigkeiten.Das Tiengener Storchennest befindet sich auf dem Kirchturm.

Am Tuniberg sind die Störche eingetroffen. Sie kehren in ihre Nester zurück, die vor ihrer Ankunft von Storchenfreunden zusammen mit „Storchenvater“ Gustav Bickel, Vorsitzender des Vereins „Weißstorch Breisgau“ hergerichtet worden sind. Gilt das für alle? Nein, denn das Nest am Turm von Tiengens evangelischer Kirche ist höchstens für Alpinisten erreichbar. Um seine Verlegung auf das Kirchendach ist eine lebhafte Diskussion entstanden.

Als sich vor etwa drei Jahren die Tiengener dafür aussprachen, auch in ihrem Dorf ein Storchenpaar anzusiedeln, übernahm die Projektgruppe „Dorfbild“ die Planung. Die Ortschaftsräte holten von Experten wie Bickel Infos ein, planten das Nest und kalkulierten die Kosten. Dem Storch dauerte das zu lang, und er wurde zum eigenwilligen Besetzer. Seit 2015 schmiegt sich das Nest der Marke Eigenbau nämlich an den Kirchturm an – und das gar nicht zur Freude der Kirchen- und Friedhofsbesucher. Denn wer an der Kirche entlanggeht, riskiert, von oben mit großen, weißen Platschen bedacht zu werden, und auch einige Gräber weisen Spuren des Storchenbiotops auf.

In Absprache mit dem Kirchenbauverein ging die Planung in die nächste Phase. Ein Gruppenmitglied bastelte nach Bickels Vorgaben ein perfektes Storchennest. Der Ortschaftsrat stellte Verfügungsmittel ein, um Pflege und Säuberung zu garantieren. „Wir wollen dem Storch ein neues Nest bieten, damit die ,Turmbesetzung’ beendet werden kann“, sagt Ortsvorsteher Maximilian Schächtele. Doch schnelles Handeln, um 2017 ein sicheres Nest auf dem Kirchendach anzubringen, wurde abermals gestoppt. Diesmal holte die Geschichte die Planer ein und den Landesbetrieb „Vermögen und Bau“ mit ins Boot. Seit dem 18. Jahrhundert unterliegt die Kirche einer geteilten Baupflicht, was zu einem Zuständigkeitswirrwarr führt, den es auch andernorts gibt (siehe Text unten).
Der Kirchenchronist berichtet, dass schon 1748 „Ärger und Verdruß aus der geteilten Baupflicht entstanden ist.“ Damals blieb das Langhaus als Baulast beim sogenannten Domänen-Fiskus. Diese Aufgabe übernahm in der Neuzeit der Landesbetrieb „Vermögen und Bau“, während der Turm nach wie vor zur Kirchengemeinde gehört. Sie gewährt weiterhin dem Storch Asyl auf der Turmseite, würde aber ein Nest auf dem Dach bevorzugen. „Der Turm ist nicht geeignet für ein Storchennest“, sagt Pfarrerin Stefanie Steidel: „Er kann jedoch bleiben, solange er dort wohnen will.“ Sie hoffe, dass bis zur nächsten Storchensaison die Nestfrage geklärt sei. Zwar versichert „Vermögen und Bau“ in einem Schreiben, dass die Behörde grundsätzlich die Ansiedlung von Störchen im Land und die Erhaltung der Lebensräume begrüße und sich dem Storchenschutz besonders verpflichtet fühle. Aber das gebe es nicht umsonst, wie aus dem Anschreiben deutlich wird. „Im Prinzip ja“, bringt es Michael Borrmann, Leitender Baudirektor und Abteilungsleiter des Amts für Vermögen und Bau Freiburg, auf den Punkt: „Aber wer zahlt und repariert, wenn etwas kaputt geht?“ Dem Land dürften keine zusätzlichen Kosten entstehen, es dürfe nicht für mögliche Risiken haftbar gemacht werden, und ein Gutachten zur Statik sei Voraussetzung, so das Fazit der Behörde. Für den Storchenvater Bickel ist der ganze Vorgang neu. „Wir haben noch nie einen ortsfremden Statiker gebraucht, wie er von der Behörde gefordert wird“, erinnert sich der langjährige Storchenbetreuer: „Wenn die Bürger und die beteiligten Ämter die Störche wirklich wollen, funktioniert es auch ohne Verträge gut.“
Wie eine Übereinkunft aussehen könnte, können die Räte seit dieser Woche in einem achtseitigen Vertragsentwurf mit vielen Vorgaben im Rathaus nachlesen. Unterschrieben werden muss er von den beteiligten Baupflichtigen, dem Amt, der Kirche und der Stadt für den Ortsteil Tiengen. „Wir müssen sehen, wie wir uns einigen“, erklärt der Ortsvorsteher, der entschlossen ist, die Projektgruppe weiter zu unterstützen: „Wir lassen nicht locker.“

 

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